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SANTA MUERTE

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WDR 5 | Westfälische Nachrichten

Sorgfältig komponierte Arrangements inszeniert die Künstlerin Anja Jensen für ihre fotografischen Arbeiten. In ein künstlich wirkendes Licht getaucht oder blendend angestrahlt, entwickelt sie Assoziationen von Überwachung, von Bedrohungen, denen Menschen ausgeliefert sind. Selbst die Natur erscheint in ihren Arbeiten einschüchternd und verängstigend. Die Szenerien erzählen Geschichten, wirken wie die Stills eines spannenden, Unbehagen erzeugenden Films, der weitererzählt werden will. Die Arbeiten sind das Ergebnis hoch komplexer Inszenierungen, die mit einem Stab an Mitarbeitern bis in das letzte Detail komponiert werden.

Die beklemmenden Atmosphären werden noch politischer, wenn an die Stelle der Inszenierung reale Orte von Gewalt und Angst, Gefahr und Verbrechen treten. Auf Einladung des Goethe-Instituts war Anja Jensen 2016/17 mit prominenten Kollegen zu Gast in Mexico City. Während ihres Aufenthaltes in der Megacity mit 21 Millionen Bewohnern hat sie Erfahrungen in einem Stadtteil, der durch Verbrechen, Drogenhandel, Gewalt und synkretistische Religiosität geprägt ist, in Arbeiten verdichtet, die in Mexiko gezeigt wurden und nun auch in Münster zu erleben sind.

Nicht immer konnten bei den gefährlichen Streifzügen die Szenen mit dem für Jensen gewohnten Aufwand arrangiert werden, aber dennoch folgen auch diese Arbeiten den strengen Gestaltungsprinzipien einer Fotografin, die kaum ein Detail dem Zufall überlässt. Zum Greifen nah ist die Angst und Gefahr der nächtlichen Aktionen, die kaum den Aufbau eines Stativs erlauben und nur in der Begleitung von Frauen möglich war, die zu der Fotografin Vertrauen gefasst hatten.

Die Bilder stellen Fragen zu Gewalt und Passion, Tod und Hoffnung in der Karwoche. Zur Präsentation in St. Lamberti entstand in Zusammenarbeit mit der Klangkünstlerin und Akkordeonistin Anja Kreysing der Soundtrack zu diesen fotografischen Portraits aus Tepito. Mit ihrem Akkordeon, Elektronik und weiteren Klangerzeugern transformiert sie die beklemmende, aber keineswegs ausweglose Atmosphäre der Bilder sowie die Emotionen der Hinterbliebenen von Gewaltopfern in requiemartige Soundscapes. Gemeinsam mit Prof. Tomasz A. Nowak an der Orgel entwickelt sie Live-Aufführungen, die mit den Bildwelten korrespondieren.

Thomas Sternberg